Ein maximal-dramatisches Oberliga-Wochenende

Mit zwei knappen und teilweise hochdramatischen Erfolgen holen die Germersheimer Oberligateams wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. Bei manch einem Fan stieg der Puls dabei ins schier Unermessliche.

Ein sensationell gutes Spiel mit einem irren Herzschlag-Finale

Der ein oder andere Zuschauer hatte sich schon angesichts der guten Leistung der Germersheimer Oberliga-Volleyballer gegen den Favoriten aus Guldental verwundert die Augen gerieben. Spätestens beim hochdramatischen Finale stieg der Puls der Fans dann in ungeahnte und vielleicht auch ungewollte Höhen.

3:2 (25:27, 25:23, 27:25, 18:25, 16:14) lautete am Ende das sensationelle Ergebnis zu Gunsten Germersheims, die sich perfekt auf die Gäste aus Rheinhessen eingestellt hatten. Trainerin Karin Träber hatte ihrem Team gut eingeimpft, dass man in der Abwehr viel Bewegung braucht, um die starken gegnerischen Angreifer in den Griff zu bekommen. Und genau das taten die Jungs. Hochmotiviert und mit eigenem druckvollen Angriffsspiel erarbeitete man sich einen kleinen 2-Punkte-Vorsprung, der beim 15:9 auf 6 Punkte angewachsen war. Danach offenbarten sich nach der ein oder anderen kritischen Entscheidung des Schiedsgerichts mentale Schwächen. Guldental nutzte dies aus und übernahm bei 19:18 erstmals die Führung. Auch wenn die Gastgeber nochmal einen Satzball abwehren konnten, spielten die Gäste in der Satzverlängerung ihre Routine aus. Der Satzverlust und der Ärger über manche Entscheidung der Schiedsrichter wirkte sich für Germersheim zu Beginn des 2. Satzes negativ aus. Nach 2:7- und 7:11-Rückstand sah man sich einem Guldentaler Team gegenüber das souverän Verunsicherung und Unkonzentriertheiten beim Gegner ausnutzte und dem Spiel den eigenen Stempel aufdrückte. Doch nun zeigte sich, dass die jungen Germersheimer dazu gelernt haben. „Meine Jungs haben es heute immer wieder hervorragend geschafft, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen“ fasste Trainerin Träber genau das zusammen, was nun aber auch in weiteren Spielphasen folgte. Aus dem Rückstand wurde im Satzverlauf eine 20:18-Führung, die man nicht mehr aus der Hand gab. Der Satzausgleich gab dem Team enorm viel Schub und auch die Fans waren begeistert. Man spürte dass an diesem Tag eine Überraschung in der Luft lag. Beide Teams agierten im folgenden 3. Durchgang auf Augenhöhe und lieferten sich ein hoch spannendes Duell. Germersheim konnte zwar den ersten Punkt machen, musste aber im Satzverlauf immer einem kleinen Rückstand von 1-2 Punkten hinterherlaufen. Das war aber nicht weiter dramatisch, denn man hatte ja die mentale Stärke, sich selbst zu Top-Leistungen zu motivieren. Bei 22:22 stand der Satz auf Messers Schneide. Germersheim erarbeitete sich 2 Satzbälle, die man aber zum Teil leichtsinnig verschenkte. Trotzdem bewahrte man die Ruhe. Kapitän Dominik Betsch höchstpersönlich sorgte mit einem druckvollen Aufschlag und folgendem Annahmefehler der Gäste für die 2:1-Satzführung. Über den 4. Satz hüllt man auf Germersheimer Seite dann wohl besser den Mantel des Schweigens, denn mental und spielerisch war man in diesem Spielabschnitt den Gästen klar unterlegen. Zu keinem Zeitpunkt war man in der Lage, Paroli zu bieten. Die Gäste überzeugten nun mit variablem und druckvollem Angriffsspiel. Hinzu kamen viele eigene Leichtsinnsfehler. Lediglich gegen Ende des Satzes merkte man, dass sich das Team schon für den nahenden Tie-Break in Stimmung brachte. Genau dies hatte Trainerin Träber gemäß dem Motto „Satz abhaken und Konzentration auf den Tie-Break“ auch bewirken wollen. Ihre Männer hatten in der Satzpause den Kopf frei bekommen und legten los wie die Feuerwehr. Die Motivation auf einen Sieg war auf Top-Niveau angekommen. Über 3:1 und 6:2 erspielte man sich beim Seitenwechsel eine 8:4-Führung. Mit einem weiteren Angriffshammer von Nicolay Peng und einem Ass von Dominik Kuhn sowie einem Fehler der Gäste wuchs der Vorsprung auf 11:4 an. Peng sorgte mit einem krachenden Block für die beruhigende 12:6-Führung. Auch bei 13:8-Führung hatte nahezu jeder in der Halle schon den Sieg vor Augen. Nur die Gäste glaubten noch an ihre Chance. Und sie sollten sie tatsächlich noch bekommen. Guldentals Zuspieler servierte Aufschlag um Aufschlag fast immer auf Germersheims Dominik Kuhn, der damit seine liebe Mühe hatte. Die jungen Gastgeber wurden sichtlich nervöser und vergaben Chance um Chance. Das nahezu Unmögliche und Undenkbare war dann plötzlich doch noch eingetreten. Guldental führte mit 14:13 und hatte Matchball. In so einer Situation müssen dann eben die erfahreneren Spieler es richten. Dominik Betsch spielte nach guter Annahme einen Schnellangriff auf Christoph Wanner, der den Ball gekonnt in den freien Abwehrraum der Gäste. Sein Jubelfinger und seine Mimik signalisierte nun „Jungs, das Ding holen wir uns jetzt“. Und genau so sollte es kommen. Dominik Kuhn spielte nach perfektem Zuspiel von Betsch den gegnerischen Block an, von dem der Ball ins Aus sprang. Der Jubel war danach sowohl beim Team als auch bei den Fans riesig, hatte man mit diesem Erfolg doch nicht unbedingt rechnen können. Bei manchem Fan sank dann auch wieder der Puls, der sich im dramatischen Tie-Break doch in ungeahnte Höhen entwickelt hatte. Auch Trainerin Träber war erleichtert. „Ich bin stolz auf meine Jungs und ihre heutige Leistung. Unser intensives Training wirkt sich auch im mentalen Bereich zunehmend positiv aus. Aber über den Tie-Break müssen wir wohl nochmal reden.“ zeigte sie sich froh aber auch kritisch angesichts der Dramatik. Und wer weiß ob man am kommenden Samstag nicht wieder eine Überraschung schaffen kann. Schließlich hat der nächste Gegner TGM Gonsenheim II am letzten Samstag das erste Saisonspiel im Spitzenspiel gegen Bliesen verloren. Man darf also gespannt sein, was sich Träber und ihr Team einfallen lassen werden.

Ein Spiel wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Zwei völlig unterschiedliche Gesichter präsentierten die Germersheimer Oberliga-Volleyballerinnen am Samstag bei ihrem 3:2-Erfolg (25:19, 25:22, 19:25, 14:25, 15:11) gegen den SV Haag. Ein normaler Spielverlauf hätte wohl in einem glatten 3:0 geendet. Aber so sollte es an diesem Tag nicht sein.

Ohne die erkrankte Luise Beutel und die privat verhinderte Lisa Deck legte man trotzdem los wie die Feuerwehr und setzte die Gäste enorm unter Druck. Über 7:1, 14:8 und 21:13 spielte man sich souverän zum Satzgewinn. Die Gäste waren zu diesem Zeitpunkt wohl nur körperlich auf dem Spielfeld anwesend und konnten ihre eigenen Stärken nicht ausspielen. Man merkte den Germersheimerinnen an, dass sie den unbändigen Siegeswillen hatten und es ihren männlichen Kollegen mit einem Sieg gleich tun wollten. Wie sehr sich dieses „gleich tun“ noch präsentieren sollte, zeigte sich im weiteren Spielverlauf. Haag kam nun deutlich besser ins Spiel und steigerte sich vor allem in der Abwehr mehr und mehr. Die Gastgeberinnen taten sich gegen diese Gummiwand zunehmend schwerer auch weil sie bereits im 2. Satz es nur bedingt vermochten, die doch vorhandenen Lücken im gegnerischen Abwehrverbund auszunutzen. So war es am Ende Zuspielerin Melanie Vake, die den knappen 16:17-Rückstand mit guten druckvollen Aufschlägen in eine 22:17-Führung verwandelte. Auch wenn Haag nochmal alles versuchte, gab Germersheim die Führung nicht mehr aus der Hand und hatte nach der 2:0-Führung einen Punkt schon mindestens eingefahren. Aber man wollte nun natürlich mehr. Doch an diesem Tag war irgendwie nichts normal. Während 2 Sätze lang das Normale à la Dr. Jekyll vorherrschte, so kam nun das Unnormale, ja vielleicht sogar das Böse à la Mr Hyde zum Vorschein. Spielerisch und mental brachen die Gastgeberinnen nahezu komplett ein. In den meisten Fällen war die Annahme äußerst problematisch. Und wenn die Defensive dann mal funktionierte, wurden die Chancen im Angriff zu leichtfertig vergeben. Immer wieder wurden die Bälle direkt auf die Arme der abwehrbereiten Gäste geschlagen. Deren ohnehin schon bärenstarke Abwehr hatte somit leichtes Spiel und musste sich immer wieder nur an gleicher Stelle positionieren. Germersheims Angreiferinnen hatten wohl einfach nicht das Auge oder vielleicht auch nicht den Mut, die Lücken der Gäste zu nutzen. Gepaart mit viel eigener Verunsicherung zog Haag unaufhaltsam davon und holte sich die Sätze 3 und 4. Dass Germersheims Trainer Andreas Hollstein aber ein besonnener Trainer ist, der auch in so einer Situation trotzdem die richtigen Worte finden kann, stellte er in der Satzpause vor dem Tie-Break unter Beweis. Seine Mädels hatte er die richtige Einstellung wieder eingeimpft. Die Köpfe waren frei und entsprechend motiviert spielte das Team auf. Nach einer knappen 3:2-Führung zog das Team mit Evelyn Kuhn am Aufschlag auf 10:3 und 13:7 davon. Ähnlich wie beim Spiel der Oberliga-Männer zuvor schien dies eine beruhigende Führung zu sein. Doch scheinbar wollten es die Germersheimer Damen ihren männlichen Kollegen gleich tun und sorgten nochmal für Spannung. Haag kam auf 11:13 heran. Doch am Ende behielt das Team die Nerven. Kapitänin Katrin Naumer selbst nahm das Heft in die Hand und sorgte mit einem gekonnten Lob für den Matchgewinn. Nicht nur bei Spielerinnen und Fans war die Erleichterung spürbar. Auch Trainer Hollstein war spürbar erleichtert, musste aber trotzdem erst mal die richtigen Worte finden. „Wir sind in ein schwieriges Spiel sehr gut reingekommen, haben dann aber zu sehr nachgelassen. Dank guter Aufschläge im Tie-Break haben wir uns heute 2 überlebenswichtige Punkte geholt, die uns noch den Anschluss ans Tabellenmittelfeld erhalten.“ bilanzierte ein sichtlich erleichterter Trainer.
In einer Sache haben es die Damen den Herren dann am Ende doch noch gleich getan. Trotz weniger gewonnener Ballpunkte konnten beide Teams gewinnen. Im Volleyball ist dies doch im höherklassigen Bereich doch eher selten. Aber an diesem Tag war eben nichts normal.